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Nach einer Straftat nicht allein

Wie der WEISSE RING Betroffene telefonisch, online und vor Ort unterstützt

Eine Betroffene spricht am Telefon; am Bildrand erinnern Symbole an sexuellen Missbrauch, häusliche Gewalt, K.-o.-Tropfen und Vergewaltigungstrauma
Gewalt und Missbrauch können lange seelisch nachwirken. Vertrauliche Beratung und persönliche Opferhilfe zeigen Wege aus dem Alleinsein. Illustration: mit Unterstützung von KI erstellt · © 2026 Martin Joachim / Seelenkompass Bayern

Eine Straftat endet für die Betroffenen häufig nicht mit dem eigentlichen Geschehen. Gewalt, Missbrauch, Stalking, Betrug, Einbruch oder andere kriminelle Handlungen können körperliche, psychische, soziale und finanzielle Folgen hinterlassen. Manche Menschen leiden unter Angst, Schlafstörungen oder wiederkehrenden Erinnerungen. Andere fühlen sich beschämt, hilflos oder unsicher und wissen nicht, ob sie zur Polizei gehen, rechtlichen Rat suchen oder psychologische Unterstützung benötigen.

In dieser Situation bietet der WEISSE RING Hilfe und Orientierung. Die bundesweit tätige Opferhilfeorganisation richtet sich an Menschen, die von einer Straftat betroffen sind. Auch Angehörige und andere Personen, die für einen betroffenen Menschen Unterstützung suchen, können sich an sie wenden.

Dafür bestehen drei unterschiedliche Zugänge: das bundesweite Opfer-Telefon, eine anonyme Onlineberatung und persönliche Hilfe durch eine Außenstelle vor Ort.

Das Opfer-Telefon 116 006

Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS ist unter der Nummer 116 006 bundesweit, kostenfrei und auf Wunsch anonym erreichbar. Die Beratungszeiten sind täglich von 7 bis 22 Uhr.

Am Telefon arbeiten geschulte ehrenamtliche Beraterinnen und Berater. Sie hören zu, nehmen die Situation ernst und helfen dabei, mögliche nächste Schritte zu ordnen. Sie können außerdem über weiterführende Hilfen informieren und den Kontakt zu einer örtlichen Außenstelle oder einer spezialisierten Beratungsstelle vermitteln.

Die Nummer 116 006 ist allerdings keine Notrufnummer im engeren Sinne. Der WEISSE RING entsendet keine Polizei und keinen Rettungsdienst. Bei einer gegenwärtigen Bedrohung oder akuten Gewaltsituation ist die Polizei unter 110 zuständig. Bei schweren Verletzungen oder medizinischer Lebensgefahr muss die 112 gerufen werden.

Anonyme Hilfe über die Onlineberatung

Nicht jeder betroffene Mensch möchte oder kann über das Erlebte sprechen. Für manche ist es leichter, die eigene Situation zunächst schriftlich zu schildern. Dafür bietet der WEISSE RING eine anonyme und kostenfreie Onlineberatung an.

Die Hilfesuchenden entscheiden selbst, welche Angaben sie machen und was sie mitteilen möchten. Nach Angaben der Organisation wird jede Anfrage persönlich bearbeitet. Die Onlineberatung bemüht sich normalerweise um eine erste Antwort innerhalb von 72 Stunden. Wegen hoher Nachfrage kann es allerdings länger dauern.

Deshalb eignet sich die Onlineberatung nicht für eine unmittelbare Gefahrensituation oder einen akuten medizinischen beziehungsweise psychischen Notfall. Wer dringend Hilfe benötigt, sollte das Opfer-Telefon, die Polizei, den Rettungsdienst oder einen geeigneten Krisendienst kontaktieren.

Fragen zu einer möglichen finanziellen, rechtlichen oder psychotraumatologischen Unterstützung können nicht abschließend über die Onlineberatung entschieden werden. Dafür ist die persönliche Kontaktaufnahme mit einer Außenstelle erforderlich.

Persönliche Hilfe in der Nähe

Eine besondere Stärke des WEISSEN RINGS ist sein Netz örtlicher Ansprechpartner. Die Organisation verfügt bundesweit über rund 400 Außenstellen in 18 Landesverbänden. Über eine Suche nach Postleitzahl oder Wohnort lässt sich die zuständige Stelle ermitteln.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören zu und besprechen mit den Betroffenen, welche Unterstützung in ihrer konkreten Situation hilfreich sein könnte. Sie können beispielsweise zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht oder Behörden begleiten. Sie helfen bei der Orientierung im Hilfesystem und vermitteln Kontakte zu Rechtsanwälten, psychotherapeutischen Angeboten, Trauma-Ambulanzen und spezialisierten Beratungsstellen.

Diese regionale Struktur ist auch deshalb wichtig, weil die Folgen einer Straftat nicht allein am Telefon bewältigt werden können. Betroffene benötigen möglicherweise längerfristige Unterstützung, Begleitung zu einem schwierigen Termin oder jemanden, der die vorhandenen Hilfen vor Ort kennt.

Welche konkrete Unterstützung ist möglich?

Die Hilfe richtet sich nach der persönlichen Situation und den Folgen der Straftat. Der WEISSE RING nennt unter anderem:

Aus diesen Möglichkeiten ergibt sich jedoch kein automatischer Anspruch auf eine bestimmte Leistung. Ob und in welchem Umfang eine Unterstützung infrage kommt, wird von der zuständigen Außenstelle anhand des konkreten Falls geprüft.

Der WEISSE RING ist keine Rechtsanwaltskanzlei, keine Psychotherapiepraxis und keine staatliche Behörde. Seine wichtige Funktion liegt darin, Betroffene menschlich zu begleiten, erste Orientierung zu geben, vorhandene Hilfen zugänglich zu machen und die unterschiedlichen Stellen miteinander zu verbinden.

Nicht nur bei körperlicher Gewalt

Der Begriff Opferhilfe wird häufig zunächst mit schweren Gewalttaten verbunden. Der WEISSE RING unterstützt jedoch Betroffene sehr unterschiedlicher Straftaten. Dazu können unter anderem häusliche und sexualisierte Gewalt, Stalking, Bedrohung, Körperverletzung, Einbruch, Raub, Betrug, Hasskriminalität, Mobbing mit strafrechtlicher Relevanz oder Straftaten im digitalen Raum gehören.

Auch Angehörige können erheblich unter einer Tat und ihren Folgen leiden. Sie erleben Angst, Schuldgefühle, Überforderung oder Hilflosigkeit und wissen oft nicht, wie sie angemessen reagieren sollen. Auch sie können beim Opfer-Telefon oder einer Außenstelle um Orientierung bitten.

Wenn die Seele nach einer Straftat leidet

Eine Straftat kann das Vertrauen in andere Menschen und in die eigene Sicherheit erschüttern. Manche Reaktionen treten sofort auf, andere erst nach Tagen oder Wochen. Angst, Schlafprobleme, Schreckhaftigkeit, sozialer Rückzug, Konzentrationsprobleme oder belastende Erinnerungen sind mögliche Folgen.

Der WEISSE RING kann einen ersten geschützten Kontakt anbieten und bei Bedarf zu psychotraumatologischen oder psychotherapeutischen Hilfen vermitteln. Er ersetzt jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Bei einer akuten psychischen Krise ist in Bayern der Krisendienst Bayern unter 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar. Bei unmittelbarer Lebensgefahr ist die 112 zuständig.

Drei Wege – ein gemeinsames Ziel

Opfer-Telefon, Onlineberatung und Außenstellen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Telefon bietet eine schnelle erste Orientierung. Die Onlineberatung ermöglicht einen anonymen schriftlichen Zugang. Die Außenstellen können Betroffene persönlich begleiten und konkrete weiterführende Unterstützung prüfen.

Welcher Weg geeignet ist, hängt von der Situation und den Bedürfnissen des betroffenen Menschen ab. Niemand muss bereits wissen, welche Hilfe benötigt wird. Der erste Kontakt kann gerade dazu dienen, diese Frage gemeinsam zu klären.

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